Gespräch mit Berchem-Trainer Agron Shabani

InterviewGoonyTBNach dem Sieg gegen die Red Boys ist Berchem definitive die positive Überraschung der diesjährigen Handballmeisterschaft und damit auf dem besten Weg, das Image der grauen Maus abzulegen.

Nach drei Spielzeiten, wo man jeweils auf dem fünften Tabellenplatz landete, kann man endlich nach vorne schauen. Zurzeit liegen sie auf dem vierten Rang, punktgleich mit Meister Käerjeng. Doch dabei stehen Erfolge gegen die drei Titelaspiranten HBD, Käerjeng und nun auch Red Boys zu Buche, nur gegen Tabellenführer Esch ist ihnen noch kein Sieg gelungen. Nur wenige hatten ihnen dies vor der Saison zugetraut, und diesen Aufschwung kann man definitiv an einem Mann festmachen, nämlich an Trainer Agron Shabani. „Goni“ – wie er in Handballkreisen genannt wird – ist im Kosovo geboren, kam 1993 nach Berchem und hält dem Verein seit nun fast 22 Jahren die

Treue. Zuerst als Spieler und Jugendtrainer, dann als Co-Trainer bei Jean-Marc Toupance. Im März 2014 hat er den damals glücklosen Heng Mauruschatt als Cheftrainer abgelöst. Und er hat es geschafft, die Tugenden, die Berchem seit jeher auszeichneten, nämlich Siegeswillen und Kämpferherz, wieder aufleben zu lassen. Die Freude am Handball ist in Berchem zurück, was auch die guten Resultate erklärt.

Tageblatt: Goni, was ist dein Erfolgsrezept?

Agron Shabani: „Da ich seit langen Jahren Jugendtrainer und auch Co-Trainer im Verein bin, kenne ich alle Spieler und habe auch einen guten Draht zu ihnen. Wichtig war, die Ziele nicht zu hoch anzusetzen. Ich habe ihnen bei meinem Antritt erklärt, dass ich der Jugend eine Chance geben werde und somit resultatsmäßig keine Wunder erwarte.

Wir werden bescheiden bleiben und geduldig eine konkurrenzfähige Mannschaft aufbauen. Als sie bemerkten, dass das keine leeren Phrasen waren, ist die Motivation bei den Spielern merklich gestiegen. Das vereinfacht dann auch die Trainingsarbeit, da alle bereit sind, auch hier alles zu geben. Es macht zurzeit einfach Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten.“

Steckbrief

Nationalität: Kosovare

Geboren am: 3.4. 1965 in Kosovo

Beruf: 1982-1993 professioneller Handballspieler

Jetzt: Übersetzer beim OLAI („Office national d’accueil et de l’intégration“)

Hobbys: Sport, Reisen, Natur

Vereine: Verschiedene Vereine im früheren Jugoslawien, 91-93 EV Isny (Allgäu), seit 93 HC Berchem

Titel: 5 Meistertitel, 5 Pokalsiege (alle mit Berchem)

Nach dem Ausscheiden im Pokal könnt ihr euch ganz auf die Meisterschaft konzentrieren, Was will Berchem im Play-off erreichen?

An der Zielvorgabe wird sich nichts ändern, wir bleiben unserer Linie treu. Auch wenn theoretisch noch alles möglich ist, werden wir uns nicht blenden lassen. Wir haben eine junge Mannschaft, die noch viel lernen muss, und diese Titelgruppe ist hierfür eine ausgezeichnete Gelegenheit. Natürlich wollen wir nicht nur lernen, sondern auch Erfolge feiern. Und sollten sich solche Gelegenheiten bieten, werden wir sie ergreifen, da bin ich mir sicher. Wir sind uns bewusst, dass wir die vielen Abgänge verdienstvoller Spieler (Malano, Tom Majerus, Sarac, Faber, Quintus) nicht von heute auf morgen verkraften können.

Und unsere jungen Talente wie Tun und Lé (Biel) oder Ben (Weyer) müssen noch Erfahrung sammeln, und da sind auch Rückschläge nicht ausgeschlossen. Ok, das trifft sicherlich für diese Saison zu.

Aber irgendwann werden die Ambitionen steigen, nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei den Fans und bei den Vereinsverantwortlichen.

Ja, sicher, das soll ja auch so sein und muss auch unser Ziel sein. Wir haben mit Christophe (Scheid) einen Kreisläufer geholt, um die Abgänge von Petz (Malano) und Tom (Majerus) zu kompensieren. Er macht sich immer besser und mausert sich im Moment zu einer wichtigen Stütze. Außerdem holten wir zwei junge ungarische Rückraumspieler, deren Ausbildung und Integration noch nicht abgeschlossen sind. Bei beiden ist noch Luft nach oben. Beim 21-jährigen Gabor (Karap) ist schon eine Steigerung festzustellen. Leider ist Tamas (Nemeth) seit einiger Zeit verletzt und stand deshalb nicht zur Verfügung. Unsere Eigengewächse werden mit wachsender Erfahrung auch selbstsicherer, außerdem wollen wir versuchen, weitere einzubauen. Es gilt also, das vorhandene Material noch besser auszuschöpfen.

Heißt das, keine weiteren Verstärkungen für die kommende Saison?

Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht, weiß auch nicht, ob das finanziell für den Verein machbar wäre. Jedenfalls bin ich zufrieden mit dem spielerischen Material, das mir im Moment zur Verfügung steht. Wir müssen im Training weiter so konzentriert arbeiten wie bisher, sämtliche Möglichkeiten ausreizen und dann werden wir weitersehen.

Das Hauptziel in Berchem soll Kontinuität und die Integration vieler Eigengewächse sein. Und ich bin mir sicher, dass die gute Arbeit, die zurzeit unsere Jugendtrainer leisten, diese Belohnung verdient hat.

© Fernand Schott/TB

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